Als ich nach den schönsten Wanderungen für unseren Winterurlaub in Finnland gesucht habe, bin ich schnell auf die Kleine Bärenrunde im Oulanka-Nationalpark gestoßen. Sie ist ein kürzerer Abschnitt der großen Bärenrunde, die insgesamt rund 85 Kilometer lang ist. Wirklich klein ist die Kleine Bärenrunde allerdings trotzdem nicht: Rund 12 Kilometer sind vor allem im Winter mit Schnee, Eis und Minusgraden eine anspruchsvolle Strecke. Wir haben uns trotzdem für diese Wanderung entschieden und sind den Pieni Karhunkierros mit Schneeschuhen gelaufen.
In diesem Erfahrungsbericht teile ich meine Erfahrungen mit der Kleinen Bärenrunde im Oulanka-Nationalpark in Finnland. Wie waren die Wetterbedingungen und welche Stellen und Hängebrücken haben mir besonders gut gefallen? Laufe ich am besten im Uhrzeigersinn oder entgegen und war die Wanderung im Winter wirklich so anstrengend?
Mein Finnland Winterurlaub
Im Februar 2026 waren wir für eine Woche im winterlichen Finnland unterwegs. Unsere Finnland-Reise führte uns von Helsinki über Oulu weiter in Richtung Syöte. Wir wollten vor allem die finnische Winterlandschaft erleben und dabei möglichst viel draußen unterwegs sein.
Unser Ausgangspunkt war die Villa Salme, von der aus wir verschiedene Ausflüge unternommen haben. Neben Schneeschuhwanderungen im Syöte Nationalpark und einer Snowmobil-Tour stand auch die Kleine Bärenrunde im Oulanka-Nationalpark auf unserer Liste.
Die Kleine Bärenrunde im Oulanka Nationalpark
Die Kleine Bärenrunde, auf Finnisch Pieni Karhunkierros, führt durch den Oulanka-Nationalpark im Norden Finnlands. Die rund 12 Kilometer lange Rundwanderung ist eine kürzere Variante des bekannten Weitwanderweges Karhunkierros, der sich über mehr als 80 Kilometer durch die finnische Wildnis zieht.
Auch wenn der Name „Kleine Bärenrunde“ zunächst nach einer kurzen und einfachen Wanderung klingt, sollte man die Strecke nicht unterschätzen. Besonders im Winter erschweren Schnee, Eis und die tiefen Temperaturen die Bedingungen deutlich. Wir waren daher hin- und hergerissen, ob wir die 12 Kilometer wirklich laufen sollten, entschieden uns aber schlussendlich für die Wanderung.

Der Oulanka Nationalpark
Der Oulanka-Nationalpark liegt im Norden Finnlands und ist vorwiegend für seine abwechslungsreiche Landschaft mit Wäldern, Flüssen, Stromschnellen und Wanderwegen bekannt.
Lage und Anreise
Er liegt im Norden Finnlands, unweit der Stadt Kuusamo und nahe der russischen Grenze. Die Kleine Bärenrunde befindet sich im östlichen Teil des Nationalparks und ist mit dem Auto gut erreichbar.
Wir starteten früh morgens bei -26 Grad an unserer Unterkunft Villa Salme. Gegen 8:30 Uhr machten wir uns auf den Weg und fuhren rund 120 Kilometer bis zum Ausgangspunkt der Wanderung. Für die Strecke benötigten wir etwa eineinhalb Stunden. Gegen 10:15 Uhr erreichten wir den Parkplatz. Der Besuch des Oulanka-Nationalparks ist kostenlos. Auch für das Parken am Startpunkt der Kleinen Bärenrunde wird keine Gebühr erhoben.
Wissenswertes zur Wanderung Kleine Bärenrunde
- Name: Pieni Karhunkierros / Kleine Bärenrunde
- Länge: 12 km
- Art: Rundwanderung
- Meine Dauer: 5 Stunden davon 3,5h in Bewegung
- Höhenmeter: 260 Meter
- Meine Ausrüstung: Schneeschuhe* (gute Eiskrallen wären besser gewesen)
- Highlights: Stromschnellen, vereiste Landschaften, Hängebrücken, verschneite Treppen
- Wärmhütten: entlang der Strecke vorhanden
- Meine Route bei AllTrails*
Meine Wanderung auf der kleinen Bärenrunde
Ich war mir offen gesagt nicht sicher, ob wir uns die Kleine Bärenrunde im Winter wirklich zutrauen sollten. Knapp zwölf Kilometer bei zweistelligen Minusgraden, dazu Schnee und Eis auf dem Weg. Eigentlich zu viel. Trotzdem reizte uns die Wanderung so sehr, dass wir uns schließlich dafür entschieden. Für den Fall der Fälle haben wir uns vorab aber die Karte genauer angeschaut und überlegt, an welchen Stellen wir die Tour gegebenenfalls abkürzen oder umdrehen könnten, falls es doch zu anstrengend werden sollte.
Die Wettervorhersage versprach kaltes, trübes, aber trockenes Wetter. Wir starteten bei zweistelligen Minusgraden und hatten in der Villa Salme erstmals ausgiebig gefrühstückt. Außerdem packten wir zwei Thermosflaschen mit heißem Tee sowie Würstchen und Sandwiches ein, die wir unterwegs an einer Feuerstelle grillen wollten. Bei der Ausrüstung entschieden wir uns für Schneeschuhe. Die Eiskrallen hatten wir zwar im Auto, wollten sie aber nicht im Rucksack mitschleppen.
Wir parkten unser Auto am großen Parkplatz Juuma im Oulanka Nationalpark und stapften los.
Start an der Kleinen Bärenrunde
Zunächst führte uns der Weg eine Weile durch den Wald. Doch schon bald warteten die ersten Herausforderungen auf uns: steile Treppen, die komplett zugeschneit und vereist waren. Von den eigentlichen Stufen war kaum noch etwas zu erkennen. Stattdessen sah es eher wie eine glatte Rutschbahn aus.

Mit Schneeschuhen war das alles andere als einfach. Man musste darauf vertrauen, dass sie genügend Halt boten, und sich trauen, einfach über die zugeschneiten Stufen hinwegzutreten. Teilweise waren auch die Seiten der Treppen begehbar, was den Abstieg etwas erleichterte. Trotzdem war das schon eine erste Herausforderung!
Die Schneeschuhe auszuziehen, war für uns allerdings keine Option. Ohne geeignetes Schuhwerk wäre vermutlich nur noch der Hosenboden geblieben, um nach unten zu kommen. Tatsächlich sahen wir unterwegs einige Wanderer, die genau das machten und die glatten Treppen sitzend hinunterrutschten.
Die erste Hängebrücke
Kurz darauf erreichten wir die erste Hängebrücke. Wow, das war schon das erste Highlight und ich war froh, mich für die Wanderung entschieden zu haben. Noch!

Anschließend kamen wir am Basecamp vorbei. Hier fragte ich mich kurz, warum wir eigentlich nicht dort geparkt hatten. Von diesem Parkplatz aus wäre die Wanderung um einiges kürzer gewesen. Allerdings hätten wir dann die erste Hängebrücke verpasst. Fragt mich aber am Rückweg noch einmal! Da hätte ich einiges dafür gegeben, wenn unser Auto direkt hier gestanden hätte.
Gefrorene Stromschnellen und verschneite Wälder
Nach dem Basecamp erreichten wir die Stromschnellen. Wahnsinn, was das Wasser hier für eine Kraft hat! Zusammen mit Schnee und Eis sah das wirklich toll aus. Hier hätte ich ewig auf das Wasser blicken können.



Direkt in diesem Bereich befindet sich eine Wärmehütte, an der man eine Pause einlegen kann. Auch Toiletten waren vorhanden, die allerdings einen ziemlich unangenehmen Geruch verbreiteten.

Im oder gegen den Uhrzeigersinn
Hier mussten wir uns dann auch entscheiden, ob wir die Kleine Bärenrunde im oder gegen den Uhrzeigersinn weiterlaufen wollten. Im Vorfeld hatten wir einiges darüber gelesen, welche Richtung im Winter sinnvoller sein könnte. Deshalb entschieden wir uns dafür, die Runde im Uhrzeigersinn zu laufen.
Nach der Wanderung würde ich mich vermutlich eher für die entgegengesetzte Richtung entscheiden, also gegen den Uhrzeigersinn. Einige Passagen wären mit Schnee und Eis in dieser Richtung definitiv einfacher gewesen. Aber grundsätzlich ist beides machbar.
Hängebrücken und steile Treppen
Es folgte direkt die nächste Hängebrücke, von der wir erneut eine tolle Sicht auf die Stromschnellen hatten. Von oben konnten wir auch zurück zur Hütte blicken, an der wir gerade noch gestanden hatten. Ein wirklich schöner Ausblick!


Die Wegführung war während der gesamten Wanderung abwechslungsreich. Längere Abschnitte führten durch den Wald, dann kamen wieder vereiste Treppen, Wasser und die Hängebrücken. Die Strecke war lang, aber durch die vielen unterschiedlichen Eindrücke gab es eigentlich immer etwas zu sehen.



Die Treppe des Grauens
Irgendwann erreichten wir den Aussichtspunkt Kallioportti mit einem tollen Blick über das Tal. Unglaublich, wie hoch wir inzwischen waren! Doch wo ging der Weg weiter? Na klar, über diese ewig lange, steile und vereiste Treppe. Auf die Seiten der Treppe konnte man leider nicht ausweichen, somit mussten wir definitiv über diese Treppe gehen.
Wir entschieden uns zunächst dafür, die Schneeschuhe auszuziehen. Nach gerade einmal zwei Treppenstufen bereuten wir das allerdings schon und zogen sie wieder an. Puh, da hatte ich jetzt doch etwas Schiss, denn es war wirklich steil und das Geländer war auch vereist.



Also ging es Tritt für Tritt und ganz langsam nach unten. Ich war einfach nur froh, als ich endlich unten angekommen war. Bergauf wäre dieser Abschnitt sicherlich einfacher gewesen. Mit normalen Wanderschuhen hätte ich mir den Abstieg nicht vorstellen können, mit guten Eiskrallen hingegen schon. Spannend war es auf jeden Fall! Zu diesem Zeitpunkt hatten wir auch schon einen großen Teil der Wanderung geschafft, umdrehen wäre keine Option gewesen.
Wärmhütten entlang der Strecke
Entlang der Kleinen Bärenrunde gibt es Wärmehütten, an denen man eine Pause einlegen und sich aufwärmen kann. Zumindest dann, wenn man es schafft, ein Feuer zu machen.


Typisch für Finnland sind die Feuerstellen und das bereitliegende Holz. Um Anzündmaterial muss man sich allerdings selbst kümmern. Wir hatten Streichhölzer und etwas Anzündmaterial dabei. Das reichte jedoch nicht aus, und wir schafften es einfach nicht, ein Feuer zu entfachen. Unsere Würstchen blieben somit leider kalt und wir auch! Daraus haben wir aber gelernt. Beim nächsten Supermarktbesuch besorgten wir richtige Anzündhölzer. Damit funktionierte es beim nächsten Mal problemlos.
Danach ging es weiter durch die Winterlandschaft. Es folgten erneut Wasser, Hängebrücken und immer wieder steile, vereiste Abschnitte. Unterwegs kamen uns zahlreiche Wanderer entgegen, die auf den glatten Treppen teilweise auf dem Hosenboden nach unten rutschten.

Die Wanderung war wirklich abwechslungsreich, doch nach rund zehn Kilometern war langsam die Luft raus. Jeder weitere Schritt wurde zur Qual. Als wir schließlich wieder am Basecamp vorbeikamen, fragte ich mich erneut, warum wir unser Auto nicht einfach dort geparkt hatten. Aber es half ja nichts: Zähne zusammenbeißen und einen Fuß vor den anderen setzen.
Zurück zum Parkplatz
Gegen 15:30 Uhr kamen wir wieder am Parkplatz an. Für die knapp zwölf Kilometer hatten wir damit insgesamt etwa fünf Stunden gebraucht. Ich war froh, es geschafft zu haben, aber auch völlig fertig. Es war definitiv eine anstrengende Tour, primär wegen der winterhaften Bedingungen. Wir hatten durchweg zwischen -10 und -12 Grad, irgendwann hat man die Kälte schon gemerkt.
Nun hatten wir noch etwa 1,5 Stunden Heimweg vor uns. Dort sahen wir allerdings den tollsten Sonnenuntergang unseres kompletten Finnland-Urlaubs. Ein perfekter Abschluss des Tages.

Tipps für die kleine Bärenrunde im Winter
- Schneeschuhe oder Grödel? Eins steht fest: Ohne eine geeignete Ausrüstung würde ich die Kleine Bärenrunde im Winter keinesfalls laufen. Bei unseren Bedingungen wären Grödel beziehungsweise Eiskrallen vermutlich die bessere Wahl gewesen, da wir keinen extrem tiefen Schnee hatten. Liegt viel Schnee, sind Schneeschuhe dagegen sinnvoller. Macht eure Entscheidung deshalb von den aktuellen Wetter- und Wegbedingungen abhängig. Wenn ihr beides habt, nehmt am besten beides mit.
- Laufrichtung: Grundsätzlich sind beide Richtungen möglich. Bei vereisten Bedingungen würde ich persönlich gegen den Uhrzeigersinn laufen. So geht ihr die große, steile Treppe von unten nach oben, was ich deutlich angenehmer finde als den vereisten Abstieg.
- Toilette: Bei unserer Wanderung waren nur die Toiletten im Bereich der ersten Stromschnelle geöffnet. Die anderen waren verschlossen.
- Feuer machen: An den Wärmhütten gibt es Feuerstellen, Holz und eine Axt. Um Anzündmaterial müsst ihr euch allerdings selbst kümmern. Nehmt ausreichend Anzündhilfe und Streichhölzer mit. Wir hatten zu wenig dabei und bekamen unser Feuer nicht zum Brennen. Unsere Würstchen blieben deshalb leider kalt.
- Kleidung: Wie bei jeder Aktivität im finnischen Winter ist das Zwiebelprinzip das Mittel der Wahl. Ich war während der Wanderung immer wieder mit An- und Ausziehen beschäftigt. Bei Bewegung wird einem schnell warm, während man in den Pausen leicht auskühlt. Hier könnt ihr nachlesen, welche Kleidung ich für 7 Tage Winterurlaub mitnehme: Wie viel Kleidung für 7 Tage Winterurlaub?
- Verpflegung: Für mich gehört warmer Tee zu jeder Winterwanderung dazu. Es gibt kaum etwas Besseres, als sich bei einer Pause an einer heißen Tasse aufzuwärmen. Kalte Getränke werden bei Minusgraden im Rucksack außerdem schnell unangenehm kalt.
- Mit einem Guide: Wenn ihr nicht alleine laufen möchtet, kann man auch eine geführte Tour buchen. Hier findet ihr eine bei GetYourGuide: Schneeschuhwandern im Nationalpark Oulanka*
Mein Fazit zur Kleinen Bärenrunde im Winter
Was für eine Wanderung! Vermutlich ist die Kleine Bärenrunde der Trail, an den ich mich als Erstes erinnere, wenn ich an unseren Finnland-Winterurlaub zurückdenke. Zum einen, weil wir unterwegs so viele tolle Dinge erlebt haben: Hängebrücken, gefrorene Stromschnellen, schöne Ausblicke und eine abwechslungsreiche Wegführung. Zum anderen aber auch, weil ich bei dieser Wanderung durchaus an meine Grenzen gekommen bin.

Die vielen vereisten Stellen und das dauerhafte Laufen mit Schneeschuhen haben viel Kraft gekostet. Dazu kamen die niedrigen Temperaturen. Vor allem auf den letzten Kilometern habe ich die Kälte dann richtig gemerkt und war froh, als wir endlich wieder am Parkplatz ankamen. Trotz aller Anstrengung bin ich unglaublich froh, dass wir uns für die Kleine Bärenrunde entschieden haben. Die Wanderung bietet so viel Abwechslung, dass es unterwegs eigentlich nie langweilig wird. Für mich war sie definitiv eines der Highlights unserer Finnlandreise, auch wenn das Wetter etwas sonniger hätte sein können.
Gerne würde ich die Kleine Bärenrunde irgendwann noch einmal im Sommer laufen. Die Landschaft dürfte dann ganz anders aussehen, gefühlsmäßig bestimmt ein ganz anderer Trail.
Empfehlungen für deinen Finnland Winterurlaub
Für eine Winterreise nach Finnland gibt es ein paar Dinge, die ich dir empfehlen kann.
- Reiseführer für Finnland: Besonders hilfreich fand ich den Iwanowski’s Reiseführer Finnland, der einen guten Überblick über das Land gibt. Wenn du eine längere Rundreise durch Skandinavien planst – zum Beispiel mit dem Camper – lohnt sich auch „Durch Lappland im Winter“. Hier kannst du dir die Reiseführer anschauen:
- Kleidung für extreme Kälte: Die Temperaturen im finnischen Winter sollte man nicht unterschätzen. Neben guter Kleidung gibt es ein paar Dinge, die für uns echte Gamechanger waren. Alle Tipps findest du in meiner Packliste:
- Meine Ausrüstung:
- Schneeschuhe: Tubbs Flex TRK*
- Wanderstöcke: Levi faltbare Wanderstöcke*
- Handschuhe: Reusch Fäustlinge Stratos STORMBLOXX*
- Thermoskanne: KleenKanteen TKPro*
- Rucksack: Deuter Freerider Lite 18SL*
- Wärmeeinlagen: Thermopad Sohlenwärmer* / Thermopad Körperwärmer*
- Aktivitäten und Touren: In der Gegend um den Oulankea Nationalpark werden viele geführte Touren im Winter angeboten. Hier eine kleine Auswahl:
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