Pico Ruivo auf Madeira – Wanderung zum höchsten Berg (PR1.2)

Goldenes Morgenlicht über den Bergen von Madeira

Der Pico Ruivo gehört zu den bekanntesten Wanderzielen auf Madeira und steht bei vielen Wanderern ganz oben auf der Wunschliste. Besonders beliebt ist die spektakuläre Gratwanderung vom Pico do Arieiro zum Pico Ruivo über den PR1. Als wir unseren Madeira-Urlaub planten, war leider schnell klar, dass dieser Abschnitt bereits seit längerer Zeit gesperrt war und auch während unseres Aufenthalts nicht wieder öffnen würde. Die Enttäuschung war groß.

Zum Glück war zumindest der PR1.2 von Achada do Teixeira auf den Pico Ruivo geöffnet. Mit einer Länge von nur 2,8 Kilometern pro Richtung ist die Wanderung zwar deutlich kürzer, führt aber trotzdem auf den höchsten Gipfel Madeiras und bietet traumhafte Ausblicke. Im Nachhinein kann ich sagen: Ich wäre gerne die lange Tour gelaufen, aber auch die kurze Tour hat sich absolut gelohnt.

In diesem Erfahrungsbericht erfährst du alles Wichtige zur PR1.2 Wanderung auf den Pico Ruivo. Ich teile meine Erfahrungen zur Anreise, Parkplatzsituation, Schwierigkeit und Wegbeschaffenheit. Außerdem erfährst du, was die Wanderung kostet, ob man einen Zeitslot reservieren muss und was der perfekte Startzeitpunkt ist.

Welche Wanderung führt auf den Pico Ruivo?

Es gibt mehrere Möglichkeiten, den Pico Ruivo zu erreichen. Welche Route die richtige für dich ist, hängt primär von deiner Kondition, der verfügbaren Zeit und den aktuellen Wegsperrungen ab.

PR1 – Vom Pico do Arieiro zum Pico Ruivo

Die bekannteste Wanderung auf Madeira ist die Verbindung vom Pico do Arieiro (1.818 m) über den Pico das Torres (1.851 m) bis zum Pico Ruivo (1.862 m). Der rund 7 Kilometer lange Trail (one way) gilt als eine der spektakulärsten Wanderungen der Insel und führt über schmale Bergkämme, Tunnel und zahlreiche Treppen.

Dieser Abschnitt war viele Monate wegen Sturmschäden gesperrt, auch während meines Aufenthalts auf Madeira im Jahr 2025. Mittlerweile ist er wieder zugänglich, allerdings nur in eine Richtung begehbar. Schau dir am besten die aktuellen Informationen zu den Einschränkungen auf der Website von FICN an.

PR1.2 – Von Achada do Teixeira auf den Pico Ruivo

Der PR1.2 ist die kürzeste und einfachste Möglichkeit, den höchsten Berg Madeiras zu erreichen. Vom Parkplatz in Achada do Teixeira sind es rund 2,8 Kilometer bis zum Gipfel. Der Weg ist durchgehend gut ausgebaut und auch für weniger geübte Wanderer gut machbar. Genau diese Route haben wir bei unserem Madeira-Urlaub gewählt, da der PR1 gesperrt war.

Neben dem PR1 und dem PR1.2 führen mit dem PR1.1 und dem PR1.3 außerdem noch weitere Wanderwege auf den Pico Ruivo. Diese sind länger und werden seltener begangen.


Eintritt, Gebühren und Slot-Reservierung

Für die Wanderung auf den Pico Ruivo ist ein Ticket erforderlich. Der Eintritt für den PR1.2 kostet aktuell 4,50 € pro Person, für den PR1 sogar 10,50 €. Zusätzlich muss vorab ein Zeitfenster (Slot) reserviert werden.

Die Buchung erfolgt online über die offizielle Website der Regionalregierung von Madeira. Nach der Reservierung erhältst du dein Ticket, das du während der Wanderung digital auf dem Smartphone oder ausgedruckt mitführen solltest.

Als wir den Pico Ruivo im November 2025 besucht haben, galt noch die vorherige Regelung. Damals kostete der Eintritt 3 € pro Person und die Reservierung einer Uhrzeit war noch nicht erforderlich.

Mein Tipp: Buche dein Ticket möglichst frühzeitig. Gerade in der Hauptsaison und für beliebte Uhrzeiten können einzelne Zeitfenster schnell ausgebucht sein. Informiere dich außerdem kurz vor deiner Wanderung noch einmal über die aktuellen Regelungen und Gegebenheiten des Trails.


Anreise und Parkplatz

Der Startpunkt der PR1.2 Wanderung befindet sich am Parkplatz Achada do Teixeira. Von Funchal benötigst du mit dem Auto je nach Verkehr rund eine Stunde. Die Strecke ist gut ausgeschildert und mit Google Maps problemlos zu finden. Die Anreise dorthin ist bereits ein kleines Erlebnis, denn die Straße führt über zahlreiche Kurven immer weiter hinauf in die Berge. Obwohl sie stellenweise recht steil ist, ist sie durchgehend gut ausgebaut und problemlos zu befahren.

Anfahrt zum PR1.2 Pico Ruivo am frühen morgen

Wir sind um 6:40 Uhr im Hotel gestartet und erreichten den Parkplatz gegen 7:30 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt standen dort gerade einmal etwa 20 Autos und wir konnten uns den Parkplatz frei aussuchen. Dieser ist kostenlos und relativ groß, wirkt allerdings etwas unkoordiniert, da keine Stellflächen markiert sind. Je nachdem, wann man ankommt, parken die Fahrzeuge daher kreuz und quer.

Parkplatz Achada do Teixeira am frühen Morgen

Als wir gegen 9:45 Uhr von der Wanderung zurückkamen, bot sich ein anderes Bild. Der Parkplatz war stärker belegt und sogar Reisebusse waren inzwischen angekommen. Obwohl wir Ende November und damit in der Nebensaison auf Madeira waren, war der Andrang sehr groß. In der Hauptsaison wird die Straße sicher schon viel früher als Ausweichparkplatz verwendet.

Blick auf den Parkplatz nach der Wanderung

Mein Tipp: Starte möglichst früh und komme nicht zu spät, dann habt ihr bessere Chancen auf einen Parkplatz.


Meine Erfahrungen auf der PR1.2 – Pico-Ruivo-Wanderung

Ohne Frühstück, nur mit einem Apfel und ein paar Müsliriegeln ausgestattet, sind wir bereits um 6:40 Uhr im Hotel gestartet. Nach etwa einer Stunde Fahrt erreichten wir gegen 7:30 Uhr den Parkplatz in Achada do Teixeira. Zu diesem Zeitpunkt standen dort erst rund 20 Autos. Das dürften die Wanderer gewesen sein, die den Sonnenaufgang auf dem Gipfel erleben wollten.

Das frühe Aufstehen hat sich wirklich gelohnt! Die aufgehende Sonne sorgte für ein perfektes Licht und gefühlt wechselte der Himmel alle paar Minuten seine Farben. Wir kamen kaum vorwärts, weil wir ständig stehenblieben, um Fotos zu machen. Das Gefühl, über den Wolken unterwegs zu sein, war schon toll.

Sonnenaufgang während der Wanderung auf den Pico Ruivo auf Madeira

Die ersten Autos auf dem Parkplatz mussten deutlich vor uns angekommen sein, denn auf dem Weg begegnete uns zunächst überhaupt niemand. Erst nach einiger Zeit kamen uns die ersten Wanderer entgegen, die den Sonnenaufgang bereits auf dem Gipfel erlebt hatten und nun auf dem Rückweg waren.

Wegbeschaffenheit

Der Weg zum Pico Ruivo ist durchgehend mit Natursteinen befestigt und angenehm zu gehen. Allerdings sind nicht alle Steine eben und es gibt immer wieder Stufen. Du solltest daher stets aufpassen, wo du hintrittst, und auf festes Schuhwerk setzen. Besonders bei Nässe können die Steine sehr rutschig werden.

Auf dem Rückweg begegneten uns einige Wanderer in Flip-Flops. Das wäre definitiv nicht meine erste Wahl – und auch nicht meine zweite oder dritte. Wir hatten Wanderstöcke dabei, und ich empfinde sie grundsätzlich als angenehm für Knie und Gelenke. Zwingend notwendig sind sie auf dieser Tour zwar nicht, beim Abstieg geben sie aber zusätzliche Sicherheit, insbesondere bei nassen Bedingungen.

Der gesamte Trail ist hervorragend angelegt und ausgeschildert. Verlaufen ist praktisch ausgeschlossen. Die wenigen Abzweigungen sind klar mit den jeweiligen PR-Nummern gekennzeichnet.

Die Aussicht beginnt nicht erst am Gipfel

Schon auf den ersten Metern wird klar, dass beim Pico Ruivo nicht nur der Gipfel das Highlight ist. Bereits auf dem Weg zum Gipfel hatten wir immer wieder fantastische Ausblicke auf die Berge Madeiras. Immer wieder blickten wir auf Wolkenfelder unter uns, während in der Ferne das Meer zu erkennen war. Hinter fast jeder Kurve eröffneten sich neue Aussichten, sodass der Weg nie langweilig wurde.

Etwa auf halber Strecke kommt man außerdem an einem kleinen Café vorbei. Dort befinden sich auch Toiletten. Bei unserem frühen Start war allerdings noch alles geschlossen. Auf dem Rückweg hatten wir zwar die Möglichkeit einzukehren, für die Toilette fehlte mir jedoch das passende Kleingeld.

Café entlang des Wanderwegs zum Pico Ruivo

Der Gipfel Pico Ruivo

Nach knapp einer Stunde erreichten wir den Gipfel des Pico Ruivo. Da uns bis dahin praktisch alle Sonnenaufgangs-Wanderer entgegengekommen waren, hatten wir den Gipfel zeitweise ganz für uns alleine.

Am Gipfel gibt es zwei verschiedene Aussichtspunkte, die beide eine fantastische Rundumsicht auf die Bergwelt Madeiras bieten.

Wetter am Pico Ruivo

Wir hatten an diesem Morgen wirklich großes Glück mit dem Wetter. Während im Hotel noch angenehme 19 Grad herrschten, zeigte das Thermometer am Parkplatz nur noch 8 Grad an. Dafür war es trocken und erstaunlich wenig windig.

Am Gipfel nahm der Wind zwar etwas zu, die Sicht war aber weiterhin hervorragend. Dann änderte sich die Situation innerhalb weniger Minuten komplett. Schon von Weitem konnten wir sehen, wie die Wolken näher kamen. Kurz darauf standen wir mitten im Nebel und die gesamte Aussicht war verschwunden.

Ich habe selten erlebt, wie schnell sich das Wetter verändern kann. Selbst Stunden später, als wir bereits auf dem PR11 unterwegs waren, hingen rund um den Pico Ruivo noch immer die Wolken. Rückblickend haben wir den perfekten Zeitpunkt erwischt! Es gehört aber natürlich immer etwas Glück dazu.

Rückweg zum Parkplatz

Auf dem Rückweg kamen uns deutlich mehr Wanderer entgegen als noch am Morgen. Trotzdem war der Trail nie überfüllt. Die Aussicht wirkte auf dem Rückweg noch einmal ganz anders, sodass der eigentlich identische Trail keineswegs langweilig wird.

Goldenes Morgenlicht über den Bergen von Madeira

Als wir gegen 9:45 Uhr wieder am Parkplatz ankamen, hatte sich die Situation deutlich verändert. Inzwischen standen dort zahlreiche Autos und auch die ersten Reisebusse waren angekommen. Obwohl noch einige wenige Parkplätze frei waren, kann ich mir gut vorstellen, dass diese kurze Zeit später ebenfalls belegt waren.

Direkt neben dem Parkplatz befindet sich das Mountain Spot Café. Wir haben dort einen kurzen Stopp eingelegt, weil wir auf einen zusätzlichen Aussichtspunkt gehofft hatten. Einen Viewpoint gibt es dort zwar nicht, für einen Kaffee oder eine kleine Stärkung nach der Wanderung scheint das Café aber eine gute Adresse zu sein. Wer besonders früh auf den Pico Ruivo starten möchte, kann außerdem direkt nebenan in der Achada do Teixeira Mountain Spot Lodge übernachten. ▶ Achada do Teixeira Mountain Spot Lodge*

Restaurant am Parkplatz

Beste Uhrzeit für die Wanderung auf den Pico Ruivo

Aus meiner Sicht lohnt es sich, möglichst früh am Morgen auf den Pico Ruivo zu starten. Wir erreichten den Parkplatz gegen 7:30 Uhr und hatten damit den perfekten Kompromiss gefunden. Die meisten Wanderer, die vor dem Sonnenaufgang aufgebrochen waren, kamen uns bereits wieder entgegen. Wir konnten den Aufstieg statt im Dunkeln bei wunderschönem Morgenlicht genießen.

Ein weiterer Vorteil: Die Parkplatzsuche war völlig entspannt und auch auf dem Wanderweg war noch wenig los. Als wir später zum Parkplatz zurückkehrten, waren wesentlich mehr Besucher unterwegs und auch die Parkplätze wurden langsam knapp.

Natürlich gibt es keine Garantie für gutes Wetter. In unserem Fall hatten wir das Glück, den Gipfel noch bei klarer Sicht zu erreichen. Nur wenige Minuten später zogen die ersten Wolken auf und die Aussicht verschwand komplett im Nebel. Wären wir später gestartet, hätten wir keinerlei Aussicht von oben gehabt.

Wer den Sonnenaufgang direkt auf dem Gipfel erleben möchte, muss dagegen einen großen Teil der Strecke im Dunkeln zurücklegen. Das kann seinen Reiz haben, war für uns persönlich aber keine Option. Wobei der Sonnenaufgang direkt am Gipfel vermutlich grandios ist.

Wolkenmeer in den Bergen von Madeira nahe dem Pico Ruivo

Tipps zur Wanderung

  • Früh starten: Ein früher Start lohnt sich gleich aus mehreren Gründen: Die Parkplatzsuche ist deutlich entspannter, auf dem Trail selbst ist es am Morgen noch spürbar ruhiger, das Morgenlicht ist toll und es ist noch nicht so heiß.
  • Pack warme Kleidung ein: Auch wenn an der Küste oft sommerliche Temperaturen herrschen, kann es am Pico Ruivo deutlich kühler sein. Während wir am Hotel noch bei 19 Grad gestartet sind, zeigte das Thermometer am Parkplatz nur noch 8 Grad an. Gerade am Gipfel kann zudem ein kräftiger Wind wehen.
  • Behalte das Wetter im Blick: Das Wetter in den Bergen Madeiras kann sich innerhalb weniger Minuten komplett verändern. Wir hatten zunächst strahlenden Sonnenschein und eine fantastische Fernsicht. Kurz darauf standen wir mitten in den Wolken und die Aussicht war verschwunden.
  • Festes Schuhwerk ist Pflicht: Der Weg ist zwar durchgehend ausgebaut und technisch nicht besonders schwierig, dennoch solltest du auf feste Wanderschuhe setzen. Die Natursteine können insbesondere bei Nässe sehr rutschig werden. Wanderstöcke sind kein Muss, können beim Abstieg aber zusätzliche Sicherheit bieten.
  • Zeitslot reservieren: Für die Wanderung auf dem PR1.2 ist mittlerweile ein Ticket erforderlich. Zusätzlich musst du vorab ein Zeitfenster reservieren. Kümmere dich rechtzeitig darum, damit du noch eine freie Zeit bekommst.
  • Sonnenschutz nicht vergessen: Eigentlich befindet sich der gesamte Trail in der Sonne. Sonnencreme, Kopfbedeckung und eine Sonnenbrille sind daher sehr empfehlenswert.
  • Transfer in Betracht ziehen: Wer sich die Parkplatzsuche ersparen möchte, kann alternativ einen Transfer zur Wanderung buchen – besonders in der Hauptsaison kann das eine stressfreie Option sein.

Pico Ruivo mit Guide oder auf eigene Faust?

Die Wanderung auf den Pico Ruivo lässt sich problemlos auf eigene Faust durchführen. Dank der guten Ausschilderung und des klaren Wegverlaufs ist ein Guide nicht zwingend notwendig.

Wer keinen Mietwagen hat oder sich nicht um Anfahrt, Parkplatz und Reservierung kümmern möchte, findet auf Madeira jedoch zahlreiche geführte Touren. Viele Anbieter organisieren den Transfer ab Funchal und bringen die Teilnehmer direkt zum Startpunkt der Wanderung. Besonders praktisch kann dies in der Hauptsaison sein, wenn die Parkplätze früh belegt sind.

Hier findest du aktuelle Touren und Transfers zum Pico Ruivo:


Fazit zum PR1,2 Pico Ruivo

Ich war ehrlich gesagt ziemlich enttäuscht, dass die berühmte Gratwanderung vom Pico do Areeiro zum Pico Ruivo während unseres Urlaubs nicht vollständig geöffnet war. Umso dankbarer war ich, dass wir am Pico Ruivo traumhaftes Wetter hatten und eine fantastische Aussicht genießen konnten. Zumindest so lange bis der Nebel aufzog…

Panoramablick vom Pico Ruivo über die Berge Madeiras

Mit seinen 2,8 Kilometern pro Richtung ist der PR1.2 weder besonders lang noch technisch anspruchsvoll. Langweilig wird die Wanderung dadurch aber nicht. Die Aussicht ist bereits auf dem Weg beeindruckend, ständig eröffnen sich neue Aussichten, und durch die Lage über den Wolken ist es ohnehin ein besonderes Erlebnis.

Der PR1.2 zählt für mich klar zu den Highlights auf Madeira, gemeinsam mit dem Pico Airero. Leider habe ich diese Wanderung nicht erleben können. Bei unserem Versuch standen wir morgens um 7 Uhr bei eisigem Wind, Regen und dichtem Nebel auf dem Parkplatz. Die Sicht war praktisch gleich null, sodass wir die Tour schweren Herzens abgebrochen haben bzw. gar nicht losgelaufen sind. Für mich definitiv ein Grund, noch einmal nach Madeira zurückzukommen.

Ich drücke dir die Daumen, dass du ebenfalls mit Sonnenschein, klarer Sicht und unvergesslichen Ausblicken belohnt wirst.

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